Der Niederländer Karel Boeschoten verkörpert den heute seltenen Typus der umfassenden Musikerpersönlichkeit. Das geigerische Handwerk erwarb er sich bei den Altmeistern Herman Krebbers (Amsterdam) und Igor Ozim (Köln).

Als Mitglied des Concertgebouworkest Amsterdam und der Camerata Bern spielte er in führenden Orchestern mit, 2004 wirkte er als Gast-Konzertmeister beim Orchestra Filarmonica della Scala di Milano.

Zusammen mit Kammermusikpartnern wie Thomas Füri, Ivry Gitlis, Vladimir Mendelssohn, Andrea Kollé, Robert Mann, Joan Berkhemer, Thomas Demenga und Jürg Wyttenbach pflegt er eine Tradition des spontanen Musizierens, die ihn später auch zur Improvisation geführt hat: Als Mitglied des European Chaos String Quintet trat er europaweit auf.

Für Musikhochschulen im In-und Ausland ist er ein gefragter Gast- Dozent. Als Komponist schrieb er selber mehrere Solowerke für Violine. Sein Violinkonzert wurde 2001 in den Niederlanden uraufgeführt, seine „Suite Extravaganza“ 2002 am Boswiler Sommer. Mehrere Werke widmete ihm der rumänische Komponist Dan Dediu, dessen Violinkonzert „Nuferi“ er 2004 in Zürich zur Uraufführung brachte.

Unbedingte Expressivität des Spiels, gepaart mit einem sprechenden Ausdruck und natürlichem Atem zeichnen den Musiker aus, der immer neu Grenzen auszuweiten sucht. Mit seiner offenen Haltung gegenüber weiteren Musikstilen ist er auch zum begehrten Spezialisten für Crossover-Projekte geworden. Als musikalischer Partner gestaltete er die Auftritte der Flamenco-Tänzerin Nina Corti wesentlich mit. Mit Pierre Favre musizierte er am Lucerne Festival, mit Stephan Eicher am Jazz Festival Montreux. Die rumänische Volksmusik inspirierte ihn 1998 gemeinsam mit Marius Ungureanu zum Ensemble Drum, das Klassik, Improvisation und Osteuropäische Volksmusik virtuos und gefühlvoll miteinander verschmelzen lässt. Mit der Formation „Kalandos“ setzt er sich seit 2002 kreativ mit ungarischer Volks- und Zigeunermusik auseinander.

Seine gestalterische Phantasie verhilft stets neu zu überraschenden Erlebnissen und zwingt zu einem intensiveren Hören. Dank seiner physischen Präsenz, gelegentlich auch verbunden mit einem clownesken Moment ist Boeschoten ein gefragter Performer. So wurde er mehrmals als „special guest“ an den Boswiler Musiksommer und an das Davoser Festival eingeladen. In einem eigenen Festival, den Seelscheider Tagen der Musik verwirklichte er bis 2002 seine eigenen originellen Programmideen und seit November 2005 tritt Boeschoten mit seinem neuen Programm „Die Wohltemperierte Violine“ auf, ein facettenreicher Rückblick auf seine ereignisreiche musikalische Laufbahn.

Seit 2006 ist er Künstlerischer Leiter des Musikfestivals „Rüttihubeliade“ (Schweiz).


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