Der Niederländer Karel Boeschoten verkörpert den seltenen Typus der umfassenden Musikerpersönlichkeit. Das geigerische Handwerk erwarb er sich bei Herman Krebbers (Amsterdam) und Igor Ozim (Köln). Boeschoten gehörte unter anderem dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam an bevor er Mitglied der Camerata Bern wurde. Mit der Camerata Bern trat er u.a. in der Carnegie Hall und an den Berliner Festwochen als Solist auf. 2004 wirkte er als Gast-Konzertmeister beim Orchestra Filarmonica della Scala di Milano.

Zusammen mit renommierten Kammermusikpartnern pflegt er eine Tradition des spontanen Musizierens, die ihn auch zur Improvisation geführt hat: Als Mitglied des European Chaos String Quintet trat er europaweit auf. Für Musikhochschulen im In-und Ausland ist er ein gefragter Gast-Dozent. Als Komponist schrieb er selber mehrere Solowerke für Violine. Sein Violinkonzert wurde in den Niederlanden uraufgeführt, seine „Suite Extravaganza“ am Boswiler Sommer. Mehrere Werke widmete ihm der rumänische Komponist Dan Dediu, dessen Violinkonzert „Nuferi“ er in Zürich zur Uraufführung brachte.

Mit seiner offenen Haltung gegenüber weiteren Musikstilen ist er auch zum begehrten Spezialisten für Crossover-Projekte geworden: Mit Pierre Favre musizierte er am Lucerne Festival, mit Stephan Eicher am Jazz Festival Montreux. Mit dem Kalandos Ensemble setzt er sich  kreativ mit ungarischer Volksmusik auseinander. Er wurde an vielen Festivals eingeladen: Boswiler Musiksommer, Davos Festival, Lockenhaus, Kuhmo und Holland Festival. In einem eigenen Festival, den Seelscheider Tagen der Musik verwirklichte er bis 2002 seine eigenen originellen Programmideen. Mit seinem Programm „Die Wohltemperierte Violine“ vermittelt er einen facettenreichen Rückblick auf seine ereignisreiche musikalische Laufbahn. Bis 2016 war Boeschoten Künstlerischer Leiter des Musikfestivals „Rüttihubeliade“.